Einsatzbericht St. Mary Theresa Hospital, Dodi Papase

Der Arzteinsatz erfolgte gemeinsam mit Herrn Kollegen Dr. Rasso Kaut, Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Herr Kollege Dr. Kaut absolvierte seinen wiederholten ärztlichen Einsatz im Auftrage von GRVD in Ghana, war also Insider, vertraut mit den Gegebenheiten des Landes und den Möglichkeiten einer sinnvollen medizinischen Tätigkeit.
Das Krankenhaus in Dodi Papase war ihm von einem früheren Einsatz bekannt, deshalb benötigten wir keine Zeit zum Eingewöhnen, wurden von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik herzlich aufgenommen und konnten unseren Arzteinsatz unmittelbar beginnen.

Die Unterbringung im Bungalow 7 des Klinikkomplexes war angenehm. Das Haus wurde von der Haushaltshilfe und Köchin Cherity sauber gehalten. Sie kümmerte sich auch um unsere Wäsche. Die Mahlzeiten morgens, mittags und abends wurden von ihr, soweit es möglich war, abwechslungsreich und optisch ansprechend zubereitet. Sämtliche Mahlzeiten wurden von uns mit großem Appetit verzehrt.

Die hygienischen Verhältnisse waren zufriedenstellend, keiner der Anwesenden (Dr. Kaut, sein vierzehnjähriger Enkelsohn Maximilian und ich) litten während des Aufenthaltes an einer Infektionskrankheit, Erbrechen oder Diarrhoe, bzw. Fieber.

Die ärztliche Tätigkeit in der Operationsabteilung geschah in harmonischer Zusammenarbeit mit dem Anästhesiepfleger Mark, der sämtliche Narkosen (in der Regel Spinalanästhesien, aber auch Intubationsnarkosen bei Schilddrüsenoperationen, Peritonitis, Ileus oder großen Abdominaltumoren) mit Umsicht, Geschick und Erfolg durchführte.

Die Zusammenarbeit mit den instrumentierenden OP-Schwestern Peggy und Joy war vorbildlich, wenn auch die Zusammenstellung der OP-Instrumente nicht unserem deutschen Klinikstandard entsprach.

Sämtlich 53 durchgeführte Operationen verliefen komplikationslos, wobei Dr. Kaut in der Regel mir und ich ihm assistierte. Intraoperative Komplikationen oder postoperative Infektionen wurden nicht beobachtet.

Die Nachsorge der operierten Patienten geschah in Zusammenarbeit mit dem Stationspflegepersonal, welches in allen Fällen mit großem Interesse und Kenntnissen arbeitete.

Die einzige anwesende einheimische Arzt Mark war vollständig durch die große Ambulanz gebunden, war jedoch bei allen aufkommenden organisatorischen Fragen sehr behilflich. Seine Deutschkenntnisse einschließlich der deutschen Grammatik sind erstaunlich gut.

Der zweite Arzt, Nigerianer, wurde von uns nicht gesehen, da er im Urlaub war und das Krankenhaus zum 1. Oktober verlässt, um eine Facharztausbildung als Gynäkologe zu beginnen.

Die Op-Ausstattung, was das Narkosegerät, Narkoseüberwachungsgerät (EKG und Monitoring.), Absaugpumpe usw. betrifft, kann als gut bezeichnet werden.

Das Sonographiegerät in der geburtshilflichen Abteilung wurde von Herrn Dr. Kaut täglich verwendet.

Deshalb konnten von uns auch trotz unzureichender medizinischer präoperativer Diagnostik komplizierte und große Operationen erfolgreich vorgenommen werden (z.B. Exstirpation großer Uterustumoren (auch bei intakter Schwangerschaft) oder sehr große Strumen mit einem Gewicht über 450 Gramm.

Unzureichend ist allerdings das Nahtmaterial im Operationssaal, welches dringend einer Erneuerung bzw. Komplettierung bedarf, da entweder wichtige Faden- bzw. Nadelgrößen nach Verbrauch nicht mehr vorhanden sind oder die Fadenstärke nicht mehr zu den Nadelgrößen passt (also nur noch Restbestände vorhanden sind!). Hier sollte versucht werden, durch Spenden der Firmen Ethicon, Hamburg (Johnson &Johnson), Braun Dexon, Melsungen oder Auto Suture den Bestand zu ergänzen bzw. aufzustocken.

Benötigt wird für das Krankenhaus weiterhin eine Nähmaschine, da sowohl die OP-Abdecktücher als auch die sterilen OP-Kittel Löcher aufweisen und den europäischen Sterilitätskriterien kaum entsprechen (das Wort Reparatur scheint in Dodi Papase unbekannt zu sein).

Die Krankenhausmitarbeiter belächeln, dass die deutschen Gastärzte von morgens bis abends operieren möchten (dafür sind wir ja schließlich nach Ghana gekommen!).

Mit 53 Operationen waren Dr. Kaut und ich aber nicht ausgelastet, wir hätten während dieser Zeit auch 100 Operationen vornehmen können, wenn genug Patienten vorhanden gewesen wären!

Dieses Problem lässt sich vielleicht folgendermaßen lösen:

Deutsche Ärzte über GRVD sollten nicht in zu kurzen Abständen im gleichen Krankenhaus anwesend sein, da sonst die Patientenzahl nicht ausreicht. Zwischen den Einsätzen in einer Klinik sollte in der Regel mindestens eine vierwöchige Pause liegen, um in dieser Zeit wieder neue Patienten zu rekrutieren. Auch sollte der ärztliche Einsatz möglicherweise für die Krankenhäuser St. Mary Therese und St. Joseph gemeinsam geplant werden, d.h. wechselnd je Woche in einem der beiden Krankenhäuser, da ja beide Häuser der katholischen Diözese Jasican angehören.

Die Ankündigung der Präsenz deutscher Ärzte im Krankenhaus sollte in der Umgebung früher erfolgen.

Der ärztliche Einsatz in Dodi Papase war für mich sehr lehrreich und auch medizinisch zufriedenstellend, zeigte er doch, mit welch bescheidenen medizinischen Mitteln qualitativ hochwertige Medizin ausgeübt werden kann.

Eines der Hauptprobleme der medizinischen operativen Versorgung in Ghana besteht m.E. in dem Mangel des Vorhaltens einer qualifizierten pathologischen Diagnostik (Meines Wissens ist das nächste und einzige pathologische Institut in Accra, sechseinhalb Autostunden

entfernt). Das Ergebnis einer pathologisch-histologischen Begutachtung, z.B. eines entfernten Tumors, soll nach etwa drei Monaten in der Klinik ankommen. Der Operateur weiß also nicht, ob der entfernte Tumor gutartig oder bösartig ist.

Der Aufbau weiterer pathologischer Institute im Lande in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium in Ghana, evtl. mit dem deutschen Entwicklungshilfeministerium, ist dringend notwendig (m.E. notweniger als die Einrichtung einer Zahnklinik, obwohl ich selbst Zahnarzt bin).

Die Zeit in Dodi Papase war auch in anderer Hinsicht lehrreich, zeigte sie doch, dass auch verwöhnte mitteleuropäische Akademiker (Bildungsbürger) dreieinhalb Wochen lang ohne

Fernsehen, Radio, Zeitung, Warmwasser und Filterkaffee überstehen können, ohne Schaden zu nehmen.

Allerdings erzählte man mir, dass es zwischen Frankfurt und Accra Direktflüge geben soll (?).

Unser Rückflug von Accra nach Frankfurt/Main und Anschlussflug nach Düsseldorf zog sich über 20 Stunden hin (Abflug von Accra (Westafrika) kurz nach 12.00 Uhr mittags nach Addis Abeba (Ostafrika) (5 ½ Stunden)), nach zwei Stunden Wartezeit Umstieg und Weiterflug nach Frankfurt mit Zwischenlandung zum Auftanken nachts um 1.30 Uhr in Kairo (11und ½ Stunde), da in Frankfurt Nachtflugverbot besteht und das Flugzeug erst nach 5.00 Uhr morgens landen darf. Die Ankunft erfolgte jedoch erst gegen 6.30 Uhr, sodass ich erst um 9.00 Uhr statt um 7.15 Uhr nach Düsseldorf weiterfliegen konnte (die Koffer kamen erst einen Tag später an, da das Umsteigen in Addis Abeba mit zwei Stunden zu kurz war für das Durchchecken des Gepäcks).